Der Ringkrieg 2. Edition

 

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Kurze Einleitung

 

Wer kennt nicht J.R.R. Tolkiens Triologie „Der Herr der Ringe“? Egal ob als Buch oder oscarprämiertes Filmspektakel - den scheinbar aussichtlosen Kampf einer kleinen, mutigen Gruppe gegen den dunklen Herrscher Sauron? Doch was wäre gewesen, wenn Sauron mehr Anstrengungen in die Suche nach dem Ring investiert hätte? Wenn Gandalf nicht in Moria gegen den Balrog gefallen wäre? Wenn Saruman die Schlacht um Helms Klamm gewonnen hätte? Der Ringkrieg bietet Antworten auf diese und viele weitere Fragen in Mittelerde.

 

Doch worum geht es? Ein Spieler übernimmt das Kommando über die freien Völker Mittelerdes und versucht in einem verzweifelten Kampf die Horden Saurons aufzuhalten und der Gemeinschaft genügend Zeit zu verschaffen, den einen Ring zu zerstören. Hierzu übernimmt er die Fraktionen der Elben, der Zwerge, von Rohan, Gondor und der Streitkräfte des Nordens.

Der andere Spieler übernimmt die Schergen Saurons und führt Horden von Orks, Trollen und noch schlimmeren Wesen ins Feld um die Menschen, Elben und Zwerge Mittelerdes zu unterjochen. Dafür übernimmt er die Kontrolle über die Fraktionen von Mordor, Isengart, über die Südländer und Ostlinge.

Doch wie wird der Weg aussehen? Wird es ein direkter Angriff auf Gondor? Marschieren die Orks dieses Mal nach Norden um das Waldandreich und Lothlorien zu zerstören? Oder lässt er seine Schergen ausziehen um die Gemeinschaft zu finden und den einen Ring zurückzugewinnen?

 

Das Schicksal Mittelerdes liegt in Deinen Händen!

Zahlen und Fakten zum Spiel (Dauer, Spielerzahl etc.)

Der Ringkrieg ist ein Spiel für 2-4 Spieler ab 14 Jahren mit einer angegebenen Spielzeit von 3 Stunden. Unserer Erfahrung nach können erfahrene Spieler dieses Spiel auch in 2 Stunden spielen. Allerdings kann gerade die erste Partie deutlich länger dauern. Bei uns belief sich die erste Runde auf ca. 7 Stunden inkl. Aufbau und immer mal wieder in den Regeln nachschlagen. Mit jeder Partie wird der Spielverlauf allerdings flüssiger und die drei Stunden sind inkl. Auf- und Abbau durchaus realistisch.

Anmerkung: Unser Test bezieht sich auf die Version für zwei Spieler. Es ist zwar möglich dieses Spiel zu dritt oder viert zu spielen, allerdings ist aus unserer Sicht die Version für zwei Spieler am besten geeignet.

Lieferumfang und Aufbau

 

Öffnet man zum ersten Mal die Schachtel ist man überwältigt vom Inhalt. Ein riesiger zweiteiliger Spielplan mit der Karte von Mittelerde benötigt schon ordentlich Platz. Dazu kommen über 200(!) Figuren in 30 verschiedenen Modellen, angefangen bei den bekannten Charakteren wie Gandalf, Aragorn oder Saruman bis hin zu Massen von Orks, die nur darauf warten, Mittelerde zu erobern.

Dazu kommen noch über 100 Spielkarten, aufgeteilt in Ereignis- und Charakterkarten, 16 Aktionswürfel und 5 Kampfwürfel. Zusätzlich fallen die 76 Pappmaker und 2 Spielhilfen ins Auge, die den Inhalt komplettieren.

Sarumans Armeen greifen Helms Klamm an. Kommt Baumbart noch rechtzeitig zur Hilfe?

Was sofort auffällt: alles wurde mit viel Liebe zum Detail erstellt, illustriert und wirkt sehr hochwertig. Auch nach mittlerweile zahllosen Spielen können wir nur minimale Gebrauchsspuren feststellen und haben noch keine Verluste zu beklagen. Das einzige kleine Manko sind die Kampfwürfel, für die kleine lieblose weiße Würfel eingesetzt werden. Dies sollten aber kein Problem darstellen, immerhin erfüllen sie ihren Zweck.

Wir haben uns als kleines Upgrade fürs Auge ein paar farblich passende Würfel (link Würfel Zubehör) dazu gekauft (blau für die freien Völker und rote für den Schatten) (Link zum Shop) und es fühlt sich an, als gehörten sie zum Originalzubehör dazu. 

Der Aufbau wird in den Regeln detailliert beschrieben und geht nach ein paar Partien sehr flott von der Hand, auch,  wenn man gerade in den ersten Spielen öfter ein wenig suchen muss, wo sich eine Region von Mittelerde genau befindet. Der Kenner der Tolkien Bücher und Filme wird sich aber über viele bekannte Regionen freuen.

 

Hat man alle Schritte zum Aufbau ausgeführt, steht man vor einem imposanten Spielfeld und möchte sofort loslegen und seine Armeen über das Spielbrett bewegen.

Ziel des Spiels

 

Einer der interessanten Aspekte dieses Spiels ist, dass jede Seite zwei Siegbedingungen hat und man abwägen muss, wie viel Energie man in diese investiert. Der Spieler der freien Völker gewinnt das Spiel, klassisch wie im Buch bzw. Film, indem er die Gemeinschaft nach Mordor führt und dort den einen Ring vernichtet. Seine zweite Möglichkeit besteht darin, den Schattenspieler militärisch zu besiegen, indem er verschiedene Festungen im Wert von vier Siegpunkten erobert (z.B. Isengart, Moria etc.).

Der Schattenspieler gewinnt das Spiel, indem er verhindert, dass der eine Ring vernichtet wird (er korrumpiert den Ringträger) oder er gewinnt militärisch, indem er Siedlungen und Festungen der freien Völker im Wert von 10 Siegpunkten erobert (z.B. Minas Tirith, Helms Klamm, Bruchtal etc.).

Spielprinzip

 

Ein Spielzug wird vorwiegend über die Aktionswürfel gesteuert. Beide Spieler werfen ihre Aktionswürfel und können diese dann immer abwechselnd einsetzten um eine Aktion durchzuführen. Mit einem eingesetzten Würfel kann man beispielsweise neue Einheiten rekrutieren, seine Armeen oder Helden auf dem Spielfeld bewegen oder Ereigniskarten einsetzten. Letztere bringen viel Variation und Vielfalt ins Spiel. Sie erlauben neue Einheiten zu rekrutieren, besondere Vorteile (oder Nachteile) auf der Suche nach dem einen Ring zu erhalten oder Einfluss auf Kämpfe zu nehmen.

Die Art der Aktion die man in seinem Spielzug nutzen kann, ist abhängig von dem Ergebnis des eingesetzten Aktionswürfel.

Somit muss man für jeden Zug vorausplanen, um seine Würfel möglichst effizient zu nutzen.

 

Auch das Kampfsystem ist würfelbasiert. Für jede Gruppe an Einheiten würfeln die Spieler und dürfen bei Erfolg gegnerische Einheiten vom Spielfeld nehmen. Besondere Charaktere wie der Herr der Ringgeister, Legolas oder Gimli können die Anzahl der eigenen Würfel erhöhen oder für Widerholungswürfe sorgen und somit Einfluss auf den Ausgang einer Schlacht nehmen. Eine interessante Besonderheit dabei ist, dass Verluste der freien Völker aus dem Spiel genommen werden, wohingegen Verluste auf Seite des Schattens zurück in die Vorräte kommen und von dort wieder rekrutiert werden können.

 

Bevor beide Spieler jedoch weitere Einheiten rekrutieren oder gar den Feind angreifen können, müssen die einzelnen Fraktionen erst einmal kriegsmobil gemacht werden. Jede Fraktion erhält auf der sog. Politikleiste eine Startposition und muss auf dieser voran bis auf das Feld „Im Krieg“ gebracht werden. Die Fraktionen des Schattens sind dabei viel näher an diesem Feld und können sich somit meistens schon im ersten oder zweiten Zug im Krieg befinden. Die Fraktionen der freien Völker brauchen deutlich länger um in den Krieg bewegt zu werden, wodurch der Spieler der freien Völker abwägen muss, welche Fraktion er schneller einsatzbereit braucht. Bewegungen auf der Politikleiste erfolgen auch über den Einsatz von Aktionswürfeln, bestimmten Ereigniskarten oder einen Angriff auf diese Fraktion.

von links: der Herr der Nazgul, Merry, Elrond, Gimli der Zwerg und Legolas im Vergleich

Zwergenkieger: der Linke stellt eine Standard-Einheit dar, die rechte Figur ist eine Elite-Einheit des Zwergenreichs.

Ein Mumakil kann den Armeen des Lichts schwere Verluste bescheren. Sie fungiert als Elite-Einheit der Ostlinge.

Besonderheiten

Was nach mehreren Spielen auffällt, ist, dass der Schattenspieler scheinbar einen leichten Vorteil hat. Er beginnt das Spiel mit mehr Aktionswürfeln, bekommt seine Fraktionen schneller in den Krieg und seine Verluste werden nicht aus dem Spiel genommen. Dies hat zur Folge, dass der Spieler der freien Völker von Beginn unter Druck steht und die Verzweiflung mit jedem Spielzug weiter zunimmt. Dies ist wunderbar stimmig mit der Atmosphäre der Filme und Bücher. Dennoch ist der Spieler der freien Völker nicht chancenlos, wenn er seine Karten und Würfel clever verwertet und die sich ihm bietenden Chancen durch gegnerische Fehler gnadenlos ausnutzt. Wir haben bei unseren Partien ausgelost, wer welche Fraktion spielt, da beide Seiten großen Spaß bereiten und ihre jeweils eigenen Herausforderungen bereithalten.

Erweiterungen

 

Bislang sind für „Der Ringkrieg zweite Edition“ zwei Erweiterungen erschienen:

 

1. Die Herren von Mittelerde

Diese Erweiterung fokussiert sich auf wichtige Charaktere der Geschichte, die es nicht in das Grundspiel geschafft haben, aber die Geschichte wesentlich beeinflussen. Auf der Seite der freien Völker sind dies insbesondere Elrond und Galadriel und eine alternative Version von Gandalf. Der Schatten bekommt als Unterstützung den Balrog von Moria, sowie alternative Varianten vom Hexenkönig und Saurons Mund. Diese neuen Charaktere bringen weitere Aktionswürfel ins Spiel und es gibt eine neue Variante: „Der Rat von Bruchtal“. In dieser Variante besteht die Möglichkeit, dass nicht alle Gefährten mit dem Ringträger nach Mordor ziehen, sondern in ihrer jeweiligen Heimat starten und dort den Kampf gegen die Schergen Saurons unterstützen. Somit bekommen die Spieler weitere Möglichkeiten und Optionen, was den Widerspielwert deutlich erhöht.

Her mal ein kurzer Auszug aus unserer letzten Partie: Die Gemeinschaft entschließt sich einen Bogen um Moria zu machen, wodurch der Balrog dort weiterhin sein Unwesen treibt. Der Schattenspieler entscheidet sich daraufhin, mit dem Balrog und einer Armee von Orks nach Lothlorien zu ziehen, woraufhin die Elben unter der Führung von Galadriel einen verzweifelten Kampf um ihre Heimat führen (aus Sicht der freien Völker: leider erfolglos). Aus unserer Sicht war dies eine interessante andere Variante als ein direkter Angriff auf Gondor oder Rohan, wie wir es aus Film und Buch kennen.

 

Wir nutzen diese Erweiterung in jeder unserer Partien. Sie ergänzt das Grundspiel um einige sehr interessante Möglichkeiten und erhöht das „Herr der Ringe Feeling“ um ein ganzes Stück. Daher empfehlen wir diese uneingeschränkt für alle, die das Grundspiel lieben und noch tiefer in Mittelerde eintauchen wollen.

 

2. Die Krieger von Mittelerde

Diese Erweiterung konzentriert sich auf die kleineren Fraktionen der Geschichte, welche dennoch eine enorme Bedeutung für den Ausgang haben. Auf Seiten der freien Völker sind dies die Armee der Toten, die Adler des Nordens und die Ents vom Fangorn. Der Schattenspieler bekommt als Unterstützung die Cosaren von Umbar, die Spinnen aus dem Düsterwald und die Dunländer. Diese Fraktionen können von den Spielern im Laufe der Partie erweckt und ins Spiel gebracht werden.

„Die Krieger von Mittelerde“ wirkt in sich stimmig und erweitert das Spiel nochmal um eine Vielzahl von Optionen. In Kombination mit der ersten Erweiterung wird das Spiel jedoch auch deutlich komplexer, was für den einen oder anderen Spieler gerade zu Beginn etwas überwältigend sein könnte. Ein gründlicher Test dieser Erweiterung von uns steht noch aus und wird natürlich hier ergänzt.

 

Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg wurde zudem die dritte Erweiterung für den Ringkrieg offiziell angekündigt: „Die Könige von Mittelerde“. Der Fokus soll einerseits auf der Politik und den Herrschern der freien Völker liegen, andererseits auf Sauron, der mit seinen Aktionen versucht, einen Keil zwischen diese zu treiben.

Die Erweiterung ist noch für dieses Jahr (2020) angekündigt.

Ein Interview zu dieser Erweiterung findet ihr in diesem Video:

Was uns gefällt

 

... das Thema! Das Eintauchen in Mittelerde erscheint für Brettspieler und Fans von der Herr der Ringe als ein absolutes "Muss". Das gesamte Spielprinzip ist in sich schlüssig und geht mit etwas Erfahrung gut von der Hand. Das Material ist insgesamt sehr hochwertig und liebevoll illustriert. Die unzähligen Möglichkeiten und Optionen sorgen für einen enorm großen Widerspielwert, sodass auch die dreißigste Partie immer noch garantiert für Spannung sorgt.

Kleiner Tipp: um das Feeling noch weiter zu erhöhen als Hintergrundmusik - einfach den Herr der Ringe Soundtrack anmachen!

Was uns nicht gefällt

 

Diese Rubrik zu füllen fällt uns schwer und beläuft sich eher auf Meckern auf sehr hohem Niveau. Wie oben erwähnt sind die Kampfwürfel sehr einfach gehalten und passen nicht zum Gesamteindruck des ansonsten sehr hochwertigen Materials. Die Figuren sind aus weichem Plastik, was dazu führen kann, dass der eine oder andere Speere nicht mehr ganz gerade ist. Gerade in den ersten Partien fällt es manchmal schwer, die Figuren der freien Völker auseinander zu halten, aber das legt sich mit der Zeit.

Für den ein oder anderen Strategen ist die hohe Abhängigkeit vom Glück noch ein Faktor, der stören könnte. Man kann schwer mehrere Züge im Voraus planen, da man nie weiß welche Aktionswürfel man würfelt. Zudem kann Pech im Kampfwurf die besten Strategien zu Fall bringen.

Fazit

 

Wie ihr bestimmt schon gemerkt habt, sind wir große Fans dieses Spiels. Es benötigt ein wenig Einarbeitungszeit, doch diese lohnt sich allemal. Man bekommt für sein Geld ein riesiges Spiel, was jeden Cent Wert ist.

Umfang und Qualität sind sehr gut, Spielspaß und Widerspielwert ausgezeichnet, sodass wir dieses Spiel jedem der Strategiespiele und/ oder Herr der Ringe mag, uneingeschränkt empfehlen.

9,5 von 10 Punkten!

An alle, die es bis hier geschafft haben: Hier ist eure Belohnung in Form von bildlichen Eindrücken (wie sagt man so schön, ein JPEG sagt mehr als tausend .txt - oder so ähnlich)

 

Saruman zusammen mit einem Uruk-Hai und einem Wargreiter. Baumbart mit Soldaten Rohans.

Boardgame Brothers

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